Bildimpulse sind ein wirkungsvolles Instrument zur Sprachförderung in Schule, Kita und Förderstunden. Sie schaffen einen niedrigschwelligen Sprechanlass, aktivieren Wortschatz und unterstützen Kinder dabei, vom einzelnen Wort zum ganzen Satz zu gelangen.
In diesem Blogbeitrag zeige ich dir fünf konkrete Unterrichtsideen, die sich sofort umsetzen lassen.
Wenn aus Beobachtung Sprache wird
Montagmorgen. Die Kinder sitzen ruhig an ihren Plätzen. Einige spuren die Linien nach, andere malen sorgfältig aus. Ein Junge zählt leise die Sterne. „Eins, zwei, drei …“
Als die ersten fertig sind, hebt Mia den Kopf. „Was macht der Elefant?“
Stille.
„Er hat einen Schlüssel“, sagt jemand.
„Und da ist ein Herz“, ergänzt ein anderes Kind.
Mehr kommt zunächst nicht.
Erst durch gezielte Impulse entstehen langsam vollständige Sätze:
„Der Elefant öffnet die Tür.“
„Er steckt den Schlüssel ins Schloss.“
So wird aus einzelnen Beobachtungen Schritt für Schritt Sprache. Gerade Kinder mit Lernschwierigkeiten profitieren von diesem behutsamen Aufbau und gewinnen spürbar an Sicherheit.
Solche Momente entstehen nicht zufällig. Sie brauchen einen klaren Rahmen und gut durchdachte Impulse. Wie das im Unterricht konkret aussehen kann, zeigen die folgenden fünf Ideen.
1. Richtig oder falsch? – Aussagen prüfen
Ein Bild steht im Mittelpunkt. Daneben stehen mehrere kurze Sätze. Einige passen zum Bild, einer oder mehrere sind bewusst falsch formuliert.
Beispiele:
- „Über dem Elefanten leuchten die Sterne.“
- „Der Elefant weint.“
- „Der Elefant lacht.“
- ,,Der Elefant steht vor einem Tor."
Die Kinder lesen (oder hören) die Sätze und entscheiden, was stimmt.
Förderziel:
-
Sprachverständnis
-
genaues Hinschauen
-
Satzstruktur erkennen
-
Wortschatz aktivieren
Diese Übung nimmt Druck, da kein freies Erzählen verlangt wird – zunächst wird geprüft und verglichen.
2. Wörter sammeln – vom Nomen zum Satz
Die Kinder betrachten ein Bild und sammeln zunächst einzelne Wörter:
- Elefant
- Sterne
- Tor
- Schlüssel
Anschließend werden diese Begriffe zu einfachen Sätzen verbunden:
„Der Elefant steht vor einem Tor.“
„Der Elefant steckt den Schlüssel in das Schloss.“
Förderziel:
-
Wortschatzaufbau
-
Satzbildung
-
Artikelgebrauch
-
Erweiterung einfacher Strukturen
Gerade für sprachunsichere Kinder ist dieser schrittweise Aufbau besonders entlastend, da zunächst einzelne Wörter gesammelt werden dürfen, bevor vollständige Sätze entstehen.
Warum das besonders für sprachunsichere Kinder hilfreich ist, habe ich hier ausführlicher beschrieben.
3. Ausmalen und beschreiben - Details bewusst wahrnehmen
Bevor gesprochen wird, dürfen die Kinder das Bild ausmalen. Sie betrachten den Elefanten, die Sterne, das Tor und den Schlüssel ganz genau. Das bewusste Ausmalen intensiviert das Hinschauen und lenkt die Aufmerksamkeit auf Details. Anschließend beschreiben die Kinder, was sie sehen:
„Der Elefant ist grau.“
„Über dem Elefanten leuchten Sterne.“
„Das Tor ist groß.“
„Der Schlüssel ist golden.“
Förderziel:
-
bewusste Wahrnehmung
-
Adjektivgebrauch
-
Erweiterung von Hauptsätzen
Das Ausmalen wirkt entlastend und schafft Zeit, Sprache innerlich vorzubereiten. Beobachtung geht dem Sprechen voraus – und genau darin liegt die Stärke dieser Methode.
4. Satzanfänge vorgeben - Struktur als Hilfestellung
Um den Einstieg zu erleichtern, werden Satzanfänge angeboten:
„Ich sehe …“
„Auf dem Bild ist …“
„Der Elefant kann …“
„Der Elefant hat …“
Die Kinder ergänzen diese Strukturen passend zum Bild. Besonders hilfreich ist es, wenn sie direkt mit der Figur beginnen, da auf diese Weise früh eine klare Satzstruktur entsteht. Das bildet eine gute Grundlage für spätere Bildergeschichten.
In der Kita hingegen steht zunächst nicht die Satzstruktur im Vordergrund, sondern die Freude am Sprechen. Hier ist es weniger entscheidend, wie ein Satz beginnt.
Förderziel:
-
Satzstruktur festigen
-
Hemmungen abbauen
-
sichere Sprechanlässe schaffen
Satzstarter geben Orientierung und reduzieren die sprachliche Unsicherheit. Sie helfen Kindern, ihre Gedanken in vollständige Sätze zu fassen, ohne sich von Beginn an überfordert zu fühlen.
5. Bildimpuls zur kleinen Geschichte erweitern
Fortgeschrittene Kinder können aus einem einzelnen Bild eine kurze Geschichte entwickeln:
-
Was passiert zuerst?
-
Was passiert danach?
-
Wie endet die Situation?
Optional können Bild-Text-Zuordnungen helfen, um narrative Strukturen aufzubauen.
Förderziel:
-
zusammenhängendes Erzählen
-
zeitliche Abfolgen
-
Satzverknüpfungen („dann“, „danach“, ,,anschließend", „weil“)
Warum Bildimpulse so gut funktionieren
Bildimpulse reduzieren sprachlichen Druck. Sie geben Orientierung und schaffen einen klaren visuellen Rahmen. Statt sofort frei sprechen zu müssen, dürfen Kinder beobachten, prüfen, sammeln und schrittweise erweitern.
So wird Sprache nicht eingefordert, sondern aufgebaut.
Fazit
Mit einfachen, klar strukturierten Bildimpulsen lassen sich Sprachförderstunden abwechslungsreich gestalten. Ob im regulären Unterricht, in Förderstunden oder in der Sprachtherapie – entscheidend ist die Dosierung und die passende Unterstützung.
Wenn du tiefer in das Konzept hinter Bildimpulsen einsteigen möchtest, findest du hier den Hintergrundartikel.
→ Verlinkung zu deinem Grundlagenartikel.
Weiterführende Materialien zur Sprachförderung mit Bildimpulsen in Schule und Kita findest du in meiner Materialübersicht:
→ Bildimpulse zur Sprachförderung in Schule und Kita
Diese Materialien arbeiten bewusst mit einem einzelnen Bild. Das genaue Hinschauen wird Schritt für Schritt aufgebaut, bevor komplexere Bildergeschichten folgen.
Bildergeschichten folgen erst dann, wenn am Einzelbild Sicherheit in Wortschatz und Satzbildung entstanden ist.
In dem Materialpaket sind alle Bildergeschichten zusammengefasst.
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→ Sprachförderung mit Bildimpulsen
→ Graphomotorik trifft Sprachförderung
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